Eine neue Studie nimmt die Frage „Wieviel ist zu viel?“ genauer unter die Lupe. Dabei handelt es sich um Babys aus neun verschiedenen Ländern, konkreter gesagt um das Schreien von Neugeborenen. Dem Ergebnis zufolge brauchen Eltern aus Großbritannien, Italien, Kanada und den Niederlanden besonders starke Nerven, während Mamas und Papas in Deutschland, Dänemark und Japan etwas mehr geschont werden.

Dreimonatskolik

Drei Monate müssen frischgebackene Eltern in der Regel durchhalten, dann haben sie das schlimmste Geschrei ihrer Kinder überstanden. Aufgrund des zeitlichen Auftretens und der unbewiesenen Vermutung, dass eine Kolik Ursache der Beschwerden des Säuglings sein könnte, wird das Störungsbild als Dreimonatskolik bezeichnet.

Aber Babyschrei ist nicht gleich Babyschrei – haben Psychologe Dieter Wolke und sein Team von der Universität Warwick in England festgestellt, nachdem sie Daten zum Schreiverhalten von fast 8700 Kindern in neun Industrieländern (Deutschland, Großbritannien, Kanada, Australien, USA, Italien, Niederlande, Dänemark, Japan) analysiert haben.

Das Spitzenfeld

Den Zahlen zufolge lärmen im Mittel Babys in Großbritannien, Italien, Kanada und den Niederlanden mehr als die in Dänemark, Deutschland und Japan. In Deutschland sind es den berücksichtigten Daten zufolge bei einem ein bis zwei Wochen alten Baby im Mittel 69 Minuten täglich und bei einem drei bis vier Wochen alten Kind 81 Minuten. Für kanadische Babys wurde für das Alter von drei bis vier Wochen ein Mittelwert von 150 Minuten erfasst, ebenso für die Niederlande.

Die Kolikrate gestaltet sich auch interessant. Da zeigte sich Kanada am lautesten: 34 Prozent der Kinder schrien mehr als 3 Stunden pro Tag an mindestens 3 Tagen in der Woche. Diese Zeit ist als Grenzwert für die Dreimonatskoliken festgelegt. In Großbritannien überschritten 28 Prozent und in Italien knapp 21 Prozent der Babys diesen Wert. In Deutschland lagen nur 7 Prozent und in Dänemark 6 Prozent der Säuglinge über dieser Grenze.

Mögliche Gründe

Über die Ursachen könne man nur spekulieren, meinen die Forscher. Ein möglicher Grund seien gesellschaftlich oder ökonomisch bedingte Unterschiede in der Fürsorge und der Betreuung von Neugeborenen. Weitere Gründe:

  • der Stresslevel der Mütter könne aufgrund unterschiedlicher Mutterschutzregelungen und sozialer Unterstützung variieren;
  • denkbar seien auch genetische Faktoren;
  • auch die Art der Fütterung könne Einfluss haben: Flaschenkinder wachten nachts zum Beispiel weniger oft auf als gestillte Babys, die Gesamt-Schreizeit vermindere sich dadurch in der 24-Stunden-Bilanz.
Was hilft?

Hilfreich seien wohl körperlicher Kontakt sowie ein ruhiges Elternverhalten, bei dem nicht sofort eingegriffen, sondern zunächst kurz gewartet werde, ob der Säugling sich allein wieder beruhige, erklärte Wolke. Wichtig für Eltern zu wissen sei zudem: Etwa 40 Prozent des Schreiens in den ersten drei Lebensmonaten sei nicht beruhigbar. Ausserdem habe die Aussage, dass man den Schreiton bei Hunger, Schmerz oder Langeweile unterscheiden könne, keinerlei wissenschaftliche Basis. „Man kann nur die Intensität unterscheiden.“

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