Millionen Fans werden zur Fußball-EM in Frankreich in den kommenden Wochen viel erleben. Dabei könnte es für manche freudlos oder sogar tödlich enden. Denn das Zuschauen kann das Herz beanspruchen, wie sowohl die Wissenschaft als auch die Erfahrung zeigt.

Für die meisten Fans bedeutet die Fußball-EM, die am 10. Juni beginnt, ein Spektakel, das viel Freude und Unterhaltung bringt. Allerdings zeigen einige Studien, dass Fußball-Großereignisse auch mit einer Zunahme von Herzinfarkten, Depressionen und sogar Suiziden verbunden sind.

So zum Beispiel legte eine Studie der Ludwig-Maximilians-Universität München zur Fußball-WM 2006 in Deutschland nahe, dass der emotionale Stress, der mit sportlichen Großveranstaltungen verbunden ist, zu Herzrhythmusstörungen sowie Herzinfarkten führen kann. Im Rahmen der Analyse untersuchten die Forscher der LMU Notarztprotokollen und verglichen die Anzahl der kardialen Notfälle an den Tagen, an denen die deutsche Fußballnationalmannschaft in der Fußball-WM spielte, mit den restlichen Tagen der WM sowie mit einem Zeitraum vor der WM: es zeigte sich eine signifikant erhöhte Anzahl von akuten Problemen an den Tagen mit einem WM-Spiel der deutschen Mannschaft. Dabei fanden die meisten Notfälle bei den dramatischen Spielen im Viertelfinale (Deutschland-Argentinien) und im Halbfinale (Deutschland-Italien) statt. Außerdem wurde festgestellt, dass herzkranke Männer ein deutlich höheres Risiko als vorbelastete Frauen aufweisen.

Die gute Nachricht: obwohl der Fan-Stress für Herzkranke besonders gefährlich ist, sollte er laut Ärzten kein Grund zur Besorgnis für die Fußball-Fans ohne Vorschädigung des Herzens sein – sie könnten nämlich „alleine durch die Aufregung beim Anschauen eines Fußballspiels normalerweise weder einen Herzinfarkt noch einen plötzlichen Herztod erleiden“, so Prof. Thomas Meinertz, Herzspezialist der „Deutschen Herzstiftung“ für „Die Welt“.

Fußball-Freaks, die an Herzerkrankungen leiden, sollten dagegen laut Gesundheitsexperten jedenfalls die Medikamente anpassen, die Herzfunktion vor und während sportlichen Großveranstaltungen regelmäßig überprüfen und sich vor dem Risiko eines Herznotfalls womöglich schützen.

Ähnliche Resultate wie in Deutschland zeigte eine brasilianische Studie, welche sich mit der Fußball-WM 2010 in Südafrika auseinandersetzt – auch da traten am häufigsten Herzprobleme bei den brasilianischen Zuschauern im Rahmen des Viertelfinales auf, als Niederlande den Favoriten Brasilien mit 2:1 besiegte.

Apropos Brasilien: Wer sich mit der Fußballgeschichte ein wenig auskennt, könnte sich vielleicht an das Jahr 1950 und die Fußball-WM in Brasilien, die erste nach dem Zweiten Weltkrieg, erinnern. Nachdem Brasilien gegen Spanien 6:1 und gegen Schweden 7:1 gewinnt und Uruguay dagegen weitaus schlechter punktet, erwarten alle, dass Brasilien triumphieren wird. Alles ist für die Krönungszeremonie der Gastgeber hergerichtet. Allerdings ganz unerwartet – wie bei jedem Wettbewerb – verliert Brasilien in den letzten neun Minuten vor Spielende das entscheidende Spiel der Finalrunde gegen Uruguay mit 1:2. Die überraschende Niederlage können viele brasilianische Fans nicht erleiden, manche schon gar nicht: drei Menschen sterben an einem Herzschlag und ein Vierter stürzt sich von der Tribüne in den Tod. Das Spiel gilt als historischer Tiefpunkt des brasilianischen Fußballs.

Wenn also Österreich bei der Fußball-EM 2016 ins (Viertel-/Halb-) Finale kommt, sollten diese von uns, die eine mögliche Niederlage nicht ertragen können, vielleicht doch am liebsten weg von Stadion, Fernseher oder Public Viewing-Locations bleiben.

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