Weil die Narben nach Verbrennungen oder Verätzungen nicht mitwachsen, müssen sich Kinder immer wieder neuen Behandlungen unterziehen. Forscher vom Kinderspital Zürich entwickelten neuartige Ersatzhaut, die ersten Transplantationen verliefen erfolgreich.

Patienten mit großflächigen und tiefen Wunden, wie sie etwa bei Verbrennungen oder Verätzungen auftreten, stellen nach wie vor eine medizinische Herausforderung dar. An ihre Grenzen stoßen die derzeitigen Behandlungsoptionen besonders bei Kindern, schreibt die Neue Zürcher Zeitung. Denn alle verfügbaren Verfahren hinterlassen mehr oder weniger ausgeprägte Narben. Da diese aber nicht mitwachsen, müssen sich die kleinen Patienten im Lauf ihres Lebens wiederholten Eingriffen unterziehen.

Seit Jahrzehnten suchen Forscher aller Welt daher nach einer besseren Ersatzhaut. Wie die natürliche Vorlage sollte diese aus verschiedenen Schichten aufgebaut sein, der sogenannten Lederhaut und der Oberhaut, und möglichst noch weitere hauttypische Zellen und Strukturen enthalten, darunter UV-Licht abweisende Pigmentzellen sowie Blutbahnen und Lymphgefässe. Diesem Ziel sind die Wissenschafter des Zürcher Kinderspitals nun einen großen Schritt näher gekommen.

Gelungenes Pilotprojekt

Nach 15-jähriger Forschungsarbeit sei es ihnen gelungen, aus menschlichen Zellen einen Vollhaut-Ersatz für die klinische Anwendung herzustellen. Bisher war es nur möglich, lediglich eine Schicht – die Leder- oder die Oberhaut – aus körpereigenen Zellen zu züchten. Aufgrund ihrer Unvollständigkeit müssen solche einlagigen Hautfilme aber mit weiteren Verfahren kombiniert werden. Die Ersatzhaut der Zürcher Forscher besteht dagegen aus Ober- und Unterhaut sowie selbsterneuernden Stammzellen und lässt sich in nur einem Operationsgang anbringen.

Zehn Kindern und Jugendlichen zwischen 7 und 17 Jahren ist diese Ersatzhaut namens denovoSkin seit Sommer 2014 transplantiert worden. Sie litten unter unterschiedlichen Hautproblemen wie Verbrennungen, Narben oder Muttermalen. Die Transplantate durften nicht größer als 50 Quadratzentimeter sein. Die Forschenden mussten beweisen, dass das Produkt unschädlich und die Patientensicherheit gewährleistet ist.

Die zweite Phase steht an

Die Studie ist abgeschlossen und die erste Bilanz fällt positiv aus, bei keinem der zehn Patienten sind Infektionen oder andere schwere Komplikationen aufgetreten. Gewisse Probleme sind noch vorhanden wie etwa Unterblutung, aber die Resultate des Pilotprojekts sind so vielversprechend, dass die Forscher nun eine größere, europaweite Studie planen.

Zeige Buttons
Verberge Buttons
%d Bloggern gefällt das: