Während manche ständig von Abenteuern schwärmen, reisen andere ins Ausland, um die Gesundheit zu stärken – mangelhafte Gesundheitssysteme, demografischer Wandel, Kostenunterschiede – Gründe für den wachsenden Medizintourismus gibt es viele. Deutschland nimmt eine der führenden Positionen im Bereich ein. Für Österreich fehlen genaue Zahlen.

Rund um die Welt sind Patienten immer mehr auf der Suche nach exklusiver medizinischen Behandlung oder besserer Heilungschance, zuverlässigen Fachkräften oder günstigerer Körperformung. Medizintourismus liegt mittlerweile weltweit im Trend und zählt zu den Folgen der fortschreitenden Globalisierung. Immer mehr Länder – darunter die USA, Deutschland, die Schweiz, Israel, Indien, Thailand und Singapur – werben aktiv um Patienten aus dem Ausland anzuziehen. Nach umfassenden Studien geben alleine Australier rund 300 Mio. Dollar für kosmetische Chirurgie im Ausland jährlich aus, dabei reisen für kosmetische Behandlungen weltweit etwa 15.000 Australier im Jahr.

Zu den beliebtesten Medizintourismus-Destinationen gehört auch Deutschland – mehr als 250.000 Patienten haben sich 2014 in Deutschland behandeln lassen. Und im letzten Jahr gewann das deutsche Gesundheitssystem insgesamt mehr als 1,2 Milliarden Euro von den Medizintouristen, nach Jens Juszczak, Leiter des Forschungsbereichs Medizintourismus. Die meisten von ihnen kamen aus Russland und aus den arabischen Ländern. Von dem Zuwachs des Bereiches profitieren hauptsächlich die Bundesländer Berlin/Brandenburg, Bayern, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. Laut Statistik verzeichnete alleine München 2014 über 176.000 Gäste aus den arabischen Golfstaaten mit insgesamt über 613.000 Übernachtungen. Gerade aus den Arabischen Emiraten reisen die Patienten meist in Begleitung und verbringen oft mehrere Tage, buchen Hotelzimmer, gehen shoppen und essen, besuchen Sehenswürdigkeiten.


Serviceleistungen

Die meisten Spitäler bieten verschiedenste Zusatzservices an – von der Visabeschaffung über Hotelreservierungen bei ambulanten Behandlungen oder für mitreisende Angehörige bis hin zur Organisation von Airport- und Limousinenservices.

“Wenn man bedenkt, dass durch den Medizintourismus dem deutschen Gesundheitssystem jedes Jahr über eine Milliarde Euro zufließen, dann ist es kaum verständlich, warum Österreich auf diesem Sektor so passiv ist.”

– Dr. David Gabriel, Gründer des Projekts Austrian Health


Russische, arabische, sowie rumänische Patienten bilden auch für Österreich den Kern der Interessenten. Hierzulande werden die Kosten pro Tag auf ungefähr 400 Euro geschätzt, dabei sind ausländische Patienten in der Regel Selbstzahler. Auch hier betreiben vor allem die Privatkliniken intensive Marketing-Offensiven. Jedoch schöpft Österreich sein Potenzial nicht aus, weil das Angebot schlecht vermarktet wird.

Am internationalen Markt ist Österreich bei Agenturen und auf Rankings als Behandlungsland für Touristen kaum präsent: “Ein großes Manko österreichischer Medizin im Ausland ist allerdings, dass diese eher unbekannt ist, im Vergleich mit der Medizin anderer Länder wie Deutschland, der Schweiz oder Israel“, meint Dr. David Gabriel.

Wie viele ausländische Patienten derzeit nach Österreich kommen, steht allerdings nicht fest. Laut der österreichischen Wirtschaftskammer sind etwa acht bis zehn Prozent aller Patienten, die in österreichischen Privatkliniken behandelt werden, sogenannte Medizintouristen.

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