Placebo-Effekt: Teure Schmerztabletten helfen mehr

Placebo-Effekt: Je teurer ein Medikament ist, umso besser wirkt es auch. Selbst eine Kochsalzlösung wird fast zum Wundermittel, wenn der Preis hoch genug ist. Privatärzte werden ihre Preislisten umschreiben müssen, damit Patienten gesund werden. Der Placebo-Effekt ist zwar so alt wie die Menschheit, warum Scheinmedikamente ohne jegliche Wirkstoffe den Heilungsprozess fördern, ist weitgehend unklar. Jetzt wurde […]

Placebo-Effekt: Je teurer ein Medikament ist, umso besser wirkt es auch. Selbst eine Kochsalzlösung wird fast zum Wundermittel, wenn der Preis hoch genug ist. Privatärzte werden ihre Preislisten umschreiben müssen, damit Patienten gesund werden.

Der Placebo-Effekt ist zwar so alt wie die Menschheit, warum Scheinmedikamente ohne jegliche Wirkstoffe den Heilungsprozess fördern, ist weitgehend unklar. Jetzt wurde ein besonderer Effekt wissenschaftlich dokumentiert. Die Wirkung steigt mit dem Preis. Was in der Markenartikelindustrie schon lange das Grundprinzip ist, gilt auch in der Medizin. Auch wenn keine Wirkstoffe in einem Medikament enthalten sind: teurer ist besser.

“Wir wollten wissen, ob sich das Wissen um die Kosten eine Medikamentes auch der Placebo-Effekt verändert.”Alberto J. Espay von der University of Cincinnati in Ohio

Das Ergebnis der von ihm angelegten Studie ist eindeutig. Für die Studie wurden Parkinson-Patienten zwei angeblich gleichwertige neue Medikamente gespritzt. Die erste sollte 100 Dollar, die zweite 1.500 Dollar wert sein, wurde den Patienten mitgeteilt. Tatsächlich enthielten beide Spritzen Kochsalzlösungen.

Beide Injektionen zeigten eine positive Wirkung. Die Verbesserung der motorischen Funktionen war jedoch bei der als teurer bekannten Spritze um 28 Prozent höher. Nicht nur das, die vermeintlich wertvollere Injektion veränderte auch die Hirnaktivitäten deutlich stärker als bei der Behandlung mit der gleichen aber für den Patienten billigeren Kochsalzlösung.

Studienautor Espay erwartet sich ein einen praktischen Nutzen aus den Erkenntnissen seiner Forschungsergebnisse: “Aus dem Wissen um den Placebo-Effekt können wir Strategien entwickeln, Medikamente besser einzusetzen, den Nutzen maximieren und durch eine Verringerung der Dosierung auch Nebenwirkungen vermindern.” Und damit könnten seiner Meinung nach zudem Medikamente eingespart werden.

Forscher wissen aus vielen Bereichen, nicht nur der Placebo-Effekt-Forschung, wie wichtig der Preis für die Wertschätzung auch bei Produkten sein kann. Am California Institute of Technology wurde eine Gruppe im Rahmen eines Weintestes untersucht. Die einzige Information, die den Teilnehmern des Geschmacktests mitgeteilt wurde, war der Preis. Dieser hatte mit dem tatsächlichen nichts zu tun. Die Teilnehmer bewerteten fast immer den Wein als besser, der auch – für sie – teurer war. So erhielt ein Fünf-Dollar-Wein als in der Folge er mit 45 Dollar präsentiert wurde, eine wesentlich bessere Beurteilung. Einen Wein, der 90 Dollar kostete aber mit einem Preis von zehn Dollar etikettiert wurde, stuften die Teilnehmer überwiegend nur als mäßig ein.

Was eine Erwartungshaltung von Patienten bewirken kann, ist in der Medizin schon länger bekannt. So gelten Injektionen wirksamer als Tabletten – und da wiederum wird roten, orangen und gelben Pillen mehr zugetraut, als grünen oder blauen.

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