Eine neue deutsche Studie zeigt, dass jeder fünfte gesetzlich Versicherte mindestens einmal im Jahr wegen Rückenschmerzen zum Arzt geht. Diese Beschwerden sind weit verbreitet, vor allem wird die moderne Lebensweise dafür verantwortlich gemacht. Röntgen und MRT helfen nicht immer bei der Abklärung, die Ursachen können dabei auch ganz alltäglich sein.

Weltweit verursachen allein Schmerzen im unteren Rücken mehr Einschränkungen und Behinderungen als jede andere Krankheit. Wenn der Rücken weh tut, gehen viele Patienten sofort zum Arzt, in Deutschland jeder fünfte Versicherte mindestens einmal im Jahr. Dabei werden rückenschmerzgeplagte Patienten der Studie „Faktencheck“ zufolge zu häufig geröntgt oder in den Tomographen geschoben.

Insgesamt entstanden 2015 pro 1000 Patienten mit Rückenschmerzen 375 Bilder, das sei laut Experten der Bertelsmann Stiftung zu häufig. Denn auch mit bildgebenden Verfahren können Ärzte oft keine spezifische Ursache für den Schmerz feststellen. Tatsächlich gelten 85 Prozent der akuten Beschwerden als medizinisch unkompliziert und verschwinden wieder.

Datengrundlage für die Studie der Bertelsmann Stiftung waren anonymisierte, repräsentative Daten von mehr als sieben Millionen Versicherten aus rund 70 gesetzlichen Krankenversicherungen. Das Ergebnis zeigt auch, dass mehr als zwei von drei Personen erwarten, dass der Arzt durch Röntgenbilder, Computertomografie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT) die genaue Ursache des Schmerzes findet.

Das jedoch widerspricht den medizinischen Leitlinien, schreibt das Portal scinexx.de. Diese sehen vor, dass Patienten zunächst konservativ behandelt werden, beispielsweise durch Physiotherapie und Schmerzmittel. Erst wenn nach mehreren Wochen der Schmerz nicht zurückgegangen ist, sollten Aufnahmen gemacht werden.

Die Studie zeigt, dass Ärzte entgegen der Erwartungen einer Mehrheit von Patienten (69 Prozent) auch mit bildgebenden Verfahren meistens keine spezifische Ursache für den Schmerz feststellen können. Die ärztlichen Leitlinien empfehlen bei Rückenschmerzen, bei denen es keine Hinweise auf gefährliche Verläufe wie Wirbelbrüche oder Entzündungen gibt, körperliche Aktivitäten so weit wie möglich beizubehalten, Bettruhe zu vermeiden und auf bildgebende Diagnostik zu verzichten.

Damit die Rückenschmerzen möglichst schnell verschwinden, kann es helfen nach Auslösern im Alltag zu suchen und gezielt gegenzusteuern. Typische Ursachen für Rückenschmerzen könnten sein:

  • Zu langes Sitzen – mögliche Lösung: aktive Freizeitgestaltung wie Spaziergänge und Sportarten wie Pilates und Yoga;
  • Zu wenig Bewegung – mögliche Lösung: Schwimmen oder Laufen;
  • Zu hohes Körpergewicht – mögliche Lösung: noch ein Grund abzunehmen;
  • Zu viel Stress – mögliche Lösung: die seelische Belastung möglichst zu verringern, die Rückenmuskulatur zu verstärken, Verspannungen zu lösen;
  • Zu schwer getragen – mögliche Lösung: möglichst Rucksäcke tragen und Lasten gleichmäßig verteilen, zum Anheben in die Knie gehen und so den Rücken zu schonen.

Quelle: Bertelsmann Stiftung

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